Systemische Innovation im Ernährungssystem: Erkenntnisse des Lernprozesses (2-Pager)

Warum wir uns mit systemischer Innovation beschäftigen

Unser Ernährungssystem steht vor komplexen Herausforderungen – vom Klimawandel über Food Waste bis hin zum wirtschaftlichen Druck auf landwirtschaftliche Betriebe. Lineare Denkweisen und Lösungsansätze stossen dabei an ihre Grenzen. 

Die Transformation hin zu einem zukunftsfähigen, regional verankerten Ernährungssystem verlangt nach systemischer Innovation: Nach Ansätzen, die nicht nur sichtbare Symptome adressieren, sondern auch die tieferen Schichten des Systems einbeziehen – von Strukturen und Prozessen über (Macht-)Beziehungen bis hin zu den zugrunde liegenden Mindsets, Werten und Paradigmen, die unser Ernährungssystem prägen. 

Systemische Innovation bedeutet dabei aber ausdrücklich nicht nur, das Bestehende in Frage zu stellen. Im Gegenteil: Sie baut beispielsweise auf den Stärken und der Qualität unserer regionalen Land- und Ernährungswirtschaft auf und schafft Rahmenbedingungen, damit diese weiterhin Bestand hat und sich weiterentwickeln kann.

Gemeinsam mit der Amt für Wirtschaft des Kanton Bern sind wir seit zwei Jahren in einem (Lern-)Prozess unterwegs. Im vergangenen Sommer haben wir unser Verständnis weiter vertieft: Durch Stakeholder-Interviews Bridgespan Group und Si Food Hub sowie durch Analyse und Studium von Praxisbeispielen und Forschung rund um systemische Innovationsstrategien.

Was wir im Workshop gemeinsam erkannt haben

Im September 2025 haben wir zusammen mit der Standortförderung des Kantons Bern zentrale Akteur:innen aus Verwaltung, Wirtschaft, Forschung und Zivilgesellschaft zu einem gemeinsamen Workshop eingeladen. 

Folgende Organisationen haben sich mit uns auf diesen (Lern-)Prozess begeben: Amt für Wirtschaft des Kanton Bern, be-advanced, Berner Fachhochschule HAFL und OGG Bern. Wir danken Nora Wilhelm (Parayma) für das Teilen ihrer umfassenden Expertise und für die Prozessbegleitung.

Im Austausch über Erkenntnisse und Praxiserfahrungen sind drei Punkte besonders deutlich geworden – im Einklang mit dem, was Forschung und Praxis über systemische Innovation zeigen:

1. Voraussetzungen schaffen: Systemischs Denken, Handeln und Co-Kreation

Systemischer Wandel braucht die Fähigkeit, ein System in seiner Ganzheit wahrzunehmen, die komplexen Zusammenhänge zu sehen, Muster zu erkennen und gemeinsam wirksame Interventionen zu entwickeln. Dazu gehören systemisches Denken, systemisches Handeln, ein co-kreatives und iteratives Vorgehen sowie das bewusste Gestalten innerer und äusserer Rahmenbedingungen für Veränderung. Diese Grundlagen sind essenziell - und nicht selbstverständlich.

2. Tiefe statt Grösse des Wandels: lokal verorten und Beziehungen stärken

Systemische Innovation muss nicht per se national oder global starten. Wirkung entsteht, wenn Initiativen konkret verortet werden, Bubbles durchbrochen, bestehende Kräfte sichtbar gemacht und miteinander verwoben werden. Inspirierende lokale Geschichten, Experimentierräume und Investitionen in Beziehungsarbeit sind zentrale Erfolgsfaktoren.

3. Der RegioFood Hub als Field Catalyst

Eine in der Praxis erprobte Schlüsselrolle in der systemischen Innovation ist diejenige des Field Catalysts, der durch Koordination, Themenfokus und Vernetzung die Grundlage für kollektive und sektorübergreifende Wirkung schafft und damit kritische Lücken im System schliesst. Wir pilotieren diese Rolle seit zwei Jahren – und fühlen uns in unserer Grundhaltung bestärkt: Bestehendes verbinden, Fehlendes entwickeln, Zukünftiges erproben.

Mit regionalen und überregionalen Partner:innen wollen wir weiter lernen, wie wir systemische Veränderungen begünstigen, kritische Lücken im System schliessen und kollektive Wirkung stärken können.

Ausblick: Aufbau einer Community of Practice

Der folgende 2-Pager „Systemische Innovationsstrategie“ ist ein Zwischenstand dieses gemeinsamen Lernprozesses – und eine Einladung. Im Jahr 2026 möchten wir im Kanton Bern eine Community of Practice für systemische Innovation im Ernährungssystem aufbauen: ein physischer und sozialer Raum für gemeinsames Lernen, das Teilen von Erkenntnissen, das Weiterentwickeln wirksamer Strategien und das Einrichten von Experimentierräumen.

Download 2-Pager

Wir freuen uns über alle, die sich mit uns auf diesen Weg machen wollen.
Neugierig? Dann steig ein: Teile dein Feedback zum 2-Pager, bring deine Ideen ein und werde Mitgestalter:in einer Community, die den Wandel im Berner Ernährungssystem aktiv vorantreibt.

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