Mit vereinten Kochlöffeln: Coworking Küchen im Austausch

Der 14. September stand für den RegioFood Hub Vorstand und das operative Team ganz im Zeichen von Austausch und neuen Perspektiven rund um Gastronomie und gemeinsam genutzte Infrastruktur. Am Vormittag waren wir bei Kitchen Rebels zu Gast, wo wir Einblicke in ihre Arbeit zwischen Gastronomie, Gastgeberschaft und Konzeptentwicklung erhielten. Hier mehr dazu

Mit dem Hut der Coworking Küche Bern, ging es am Nachmittag weiter zu DasProvisorium in Zürich zu Daniela und Flavio. Zusammen mit Vlad von Shared Kitchen Basel trafen wir uns zu einem Best-Practice-Austausch rund um gemeinschaftlich genutzte Produktionsküchen.

Wie organisieren andere Gemeinschaftsküchen ihren Betrieb? Welche Modelle haben sich bewährt und welche Herausforderungen beschäftigen ähnliche Projekte?

Foto: Mascha Theiler

Eine Coworking Küche funktioniert ähnlich wie ein Coworking Space nur wird hier nicht primär am Schreibtisch, sondern am Herd gearbeitet. Professionell ausgestattete Produktionsküchen sowie je nach Standort Lager-, Arbeits- oder Veranstaltungsflächen werden von verschiedenen Nutzer:innen geteilt.

Das ist insbesondere für Food-Start-ups, Caterer:innen, Produzent:innen und kleine Lebensmittelunternehmen interessant. Statt von Beginn an in eine eigene Produktionsküche und teure Infrastruktur investieren zu müssen, können sie bestehende Räume flexibel mitnutzen,  beispielsweise stunden-, tageweise oder über einen festen Produktionsplatz.

Coworking Küchen sollen jedoch mehr sein als gemeinsam genutzte Infrastruktur. Sie schaffen Raum für Austausch, Vernetzung und Zusammenarbeit – und können so zum Ausgangspunkt für neue Ideen und Kooperationen werden, die weit über die Küche hinausreichen.

Genau diesen Anspruch verfolgen wir auch mit der Coworking Küche Bern. Dabei beschäftigen uns Fragen wie: Wie können Produkte gemeinsam und direkt bei regionalen Landwirtschaftsbetrieben bezogen werden? Wie lässt sich eine aktive Community aufbauen, in der Wissen, Erfahrungen und Kontakte geteilt werden?

Umso wertvoller ist der Austausch mit ähnlichen Projekten: um voneinander zu lernen, unterschiedliche Ansätze kennenzulernen und gemeinsam weiterzudenken.

Foto: Mascha Theiler

Ein neuer Standort mit viel Geschichte

DasProvisorium ist erst seit Juni 2026 an seinem neuen Standort in einer ehemaligen Stadtküche zuhause. Das Projekt selbst gibt es jedoch bereits seit rund neun Jahren. Klein gestartet in einer ehemaligen Bäckerei, ist es über die Jahre organisch gewachsen und nutzte zwischenzeitlich rund 3'000 Quadratmeter auf drei Stockwerken.

Nun beginnt an einem neuen Ort das nächste Kapitel.

Daniela führte uns zunächst durch die Coworking-Flächen im Obergeschoss, wo unter anderem verschiedene Food Akteur:innen eingemietet sind. Anschliessend ging es durch die verschiedenen Produktionsbereiche im Untergeschoss. Im vorderen Teil des Gebäudes ist bereits eine Mikrobrauerei zuhause (die auch zur geteilten Nutzung gedacht ist), während weitere Mieter:innen der Küchen erst noch einziehen werden. Ein Raum soll zudem eine gemeinsam genutzte Bäckerstube werden.

Unterschiedliche Küchen, unterschiedliche Bedürfnisse

Am neuen Standort stehen mehrere Küchen mit unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten zur Verfügung. Eine davon wird beispielsweise fest von einem Cateringbetrieb genutzt, andere können halb- oder tageweise gemietet werden. Hinzu kommen Flächen für Workshops und Veranstaltungen.

Für unseren Austausch besonders spannend waren die vielen praktischen Fragen, die mit einer gemeinschaftlich genutzten Produktionsinfrastruktur einhergehen: Wie werden Produktionszonen voneinander abgegrenzt? Welche Geräte werden gemeinsam genutzt? Wie lassen sich Stromverbrauch, Wartung und Nebenkosten sinnvoll verteilen?

Bei besonders stromintensiven Geräten wie Öfen denkt DasProvisorium beispielsweise über separate Zähler nach. Ein Teil der Ausstattung konnte aus früheren Standorten übernommen werden, anderes wurde occasion beschafft oder über Partnerschaften organisiert.

Viele dieser Fragen kennen wir auch aus Bern.

Foto: Mascha Theiler

Austausch am gemeinsamen Tisch

Nach dem Rundgang durch die Räume ging der Austausch dort weiter, wo sich viele Gespräche rund ums Essen besonders gut führen lassen: am gemeinsamen Tisch.

Flavio kochte für die Runde ein Abendessen und schuf damit den passenden Rahmen, um Erfahrungen aus Bern, Basel und Zürich nochmals zu vertiefen. Dabei ging es nicht nur darum, was bereits gut funktioniert, sondern ebenso um offene Fragen, Schwierigkeiten und Dinge, die sich erst mit der Zeit entwickeln.

Gerade dieser offene Austausch machte den Besuch besonders wertvoll. Denn Gemeinschaftsküchen mögen ähnlich funktionieren, die Rahmenbedingungen, Nutzer:innen und Geschäftsmodelle unterscheiden sich dennoch von Ort zu Ort.

Vlad von Shared Kitchen Basel erzählt, dass sich seit dem Start der Gemeinschaftsküche innerhalb eines Jahres rund 80 Interessierte gemeldet haben. Acht Food Entrepreneurs nutzten die Küche aktiv und kamen gemeinsam auf rund 1'000 Produktionsstunden.

Das Modell wurde dabei laufend weiterentwickelt. Produktionszeiten werden heute beispielsweise im Voraus auf Monatsbasis gebucht, mit einer Mindestdauer von drei Monaten. Das schafft Planungssicherheit und bleibt gleichzeitig flexibel genug für kleinere Unternehmen.

Auch ganz alltägliche Themen wie die Reinigung kamen zur Sprache. Eine Erfahrung aus Basel: Nicht für jedes Problem braucht es ein kompliziertes System, oft sind klare Erwartungen und direkte Kommunikation entscheidend.

Spannend war auch die Erkenntnis, dass eine klassische Warteliste nur bedingt funktioniert. Gerade bei jungen Food-Unternehmen können sich Bedürfnisse schnell verändern. Der richtige Zeitpunkt ist entscheidend: Ein Produktionsplatz muss möglichst dann verfügbar sein, wenn ein Unternehmen tatsächlich bereit ist, den nächsten Schritt zu machen.

Foto: Mascha Theiler

Niedrige Einstiegshürden für Food-Unternehmer:innen

In Basel zeigte sich, wie wichtig eine geteilte Infrastruktur für den Einstieg in die Lebensmittelproduktion sein kann. Vlad berichtete zudem, dass rund 80 Prozent der bisherigen Nutzer:innen von Shared Kitchen Basel einen Migrationshintergrund haben. Das unkomplizierte Modell ermöglicht einen vergleichsweise niederschwelligen Zugang zu professioneller Produktionsinfrastruktur und lässt sich gut mit unterschiedlichen Arbeits- und Lebensmodellen kombinieren.

Mit zunehmender Erfahrung verändern sich allerdings auch die Bedürfnisse. Am neuen Standort von Shared Kitchen Basel sollen deshalb künftig verstärkt bereits etwas etabliertere Food-Unternehmen Platz finden. Mit den beiden Standorten werden so verschiedene Bedürfnisse abgedeckt.

Foto: Mascha Theiler

Raum allein schafft noch keine Community

Neben Mietmodellen, Geräten und Betriebsfragen ging es im Austausch auch darum, wie rund um eine Coworking Küche eine aktive Gemeinschaft entstehen kann. Denn wenn verschiedene Food-Unternehmer:innen am selben Ort produzieren, ergeben sich ganz automatisch Berührungspunkte, das Potenzial dahinter muss aber auch gepflegt werden.

In Basel unterstützt beispielsweise eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe den unkomplizierten Austausch zwischen den Nutzer:innen. Bei DasProvisorium kommen zur Produktionsinfrastruktur weitere Räume und Formate hinzu: Coworking, Workshops und Veranstaltungen schaffen zusätzliche Möglichkeiten, sich zu begegnen und Wissen zu teilen.

Auch für die Coworking Küche Bern ist diese Vernetzung ein wichtiger Teil des Konzepts. Wie sich eine solche Community langfristig aufbauen und aktiv halten lässt, ist deshalb eine Frage, die uns alle beschäftigt und bei der wir viel voneinander lernen können.

Kein Patentrezept – aber viele gute Zutaten

Ob Mietmodell, Infrastruktur, Betriebskosten oder Community-Aufbau: Für viele Fragen gibt es keine allgemeingültige Lösung. Was funktioniert, hängt stark vom Standort, den Nutzer und den jeweiligen Rahmenbedingungen ab.

Gerade deshalb sind solche Best-Practice-Austausche so wertvoll. Sie ermöglichen es, konkrete Erfahrungen miteinander zu vergleichen, von bereits erprobten Lösungen zu lernen und die eigenen Ansätze weiterzuentwickeln.

Für die Coworking Küche Bern nehmen wir aus Zürich viele praktische Impulse und neue Denkanstösse mit und die Bestätigung, dass sich der Blick über den eigenen Tellerrand lohnt.

Vielen Dank an Daniela Fischer und Flavio Hagenbuch und Vlad Savin für die offenen Einblicke, den Erfahrungsaustausch und das gemeinsame Essen.

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